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Beethoven

– auf alten Instrumenten modern interpretiert
Südkurier, 21.9.2016


Nikolaus Henseler dirigiert das Orchester La Banda im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen. Dirigent und Orchester begegnen sich in höchster Konzentration und bei rasanten Geschwindigkeiten

Wie zuckende Fäuste fahren die ersten Akkorde in den Raum. Ein rastlos dunkles Thema hebt an, bricht ab und steigert sich zu goßer Geschlossenheit, in die Geigen gellende Akzente werfen. Plötzlich stellt sich eine weiche, liebevolle Melodie in den Weg. Sie gewinnt an Intensität und bebt doch zurück, als mit Pauken und Trompeten das erste Thema die Oberhand gewinnt. Zwischen quälenden Tremoli, samtigen Bögen und scharfen Schlägen entfaltet sich das Drama des Coriolan, in der Version von Ludwig van Beethoven.

Beethoven schrieb die Ouvertüre für ein Trauerspiel seines Bekannten Heinrich Joseph von Collin. Der Legende nach führte der römische Feldherr Coriolan Krieg gegen seine Heimat, bis ihn Gattin und Mutter zum Frieden bewegten. Dann nahm er sich das Leben. Bei Beethoven zerfällt das herrische Eingangsmotiv nach einer Generalpause. Am Ende hallen drei pizzicati ins Leere.

Dirigent Nikolaus Henseler und das Augsburger Orchester La Banda beweisen gleich beim ersten Werk, wie gefährlich nah ihnen dieses reine Beethoven-Programm gekommen ist. Sie nehmen ihre Hörer mit in die Untiefen dieser Musik und machen sie unheimlich lebendig. Die durchweg in andern Orchestern beschäftigten Musiker treffen sich projektbezogen. Sie spielen alte Instrumente, deren Töne beweglicher, aber weniger tragend sind: Geigen mit leichten Bögen und niedrigerem Steg, Klarinetten aus hellem Buchsbaumholz, die je nach Tonart gewechselt werden müssen, oder luftige Naturhörner ohne Ventil. Heraus kommt eine gnadenlos durchsichtige Musik, in der jeder Ton zählt, nichts verwischt oder wegvibriert wird. Bei aller Disziplin und Präzision strahlen sie Kommunikationsfreude und Spiellust aus, lachen einander zu und manche hält es kaum auf den Sitzen.

Als Konzentrationspunkt für den ganzen Saal steht Henseler in ihrer Mitte. 1991 geboren hat er ein Philosophie- und ein Klavierstudium hinter sich und studiert Chorleitung in Trossingen. In der Region ist er bekannt als Leiter des Vokalensembles Camerata Serena. Gespannt bis in die Zehenspitzen macht er keine Bewegung zu viel. In seiner Linken verdichtet sich die Partitur zu präzisen Mustern, die Rechte deutet die Tempi an – die Musiker folgen ihm unbedingt.

Dabei sind diese Tempi rasant. Die siebte und achte Sinfonie hat Beethoven selbst mit Metronom-Angaben zur Geschwindigkeit versehen. Die sind so flott, dass viele Dirigenten annahmen, er müsse sich geirrt haben. Henseler nimmt sie ernst – damit ändert sich der Charakter der Sätze. Die siebte beginnt auch bei ihm gemäßigt, als langer, atmender Anlauf zum vivace: Wie losgelassen jubeln da die Bläser, legen die Streicher mit fliegenden Bögen los. Aus den schleppenden Schritten des zweiten Satzes, oft "Trauermarsch" genannt, wird ein unruhiges Pochen, das der immer noch melancholischen Melodie einen Weg nach vorn weist. Dem Finale kommt jede militärische Deutung als Reaktion auf die napoleonischen Kriege abhanden – so schnell rennen Soldaten nicht. Statt dessen leuchtet es vor überschäumender Lebensfreude.

Beethovens achte Sinfonie kann lieblich wirken. Von je her stellte sich die Frage, wie er so sonnige Musik schreiben konnte, sein Leben sah zu Entstehungszeit ganz anders aus: Während eines Kuraufenthalts in Teplitz und Karlsbad musste er die Hoffnung auf eine Verbesserung seines Gehörs aufgeben. Da verfasste er den Brief an die "unsterbliche Geliebte", die bis heute niemand kennt. Aber dass sie nicht frei war und dass Beethoven unter jeder Trennung litt, sagt er deutlich. Henseler und "La Banda" lassen die Kanten der Sinfonie hören. Statt duftiger Ballettschritte schlagen Bögen federnde Rhythmen. Knackige Akzente markieren die Brüche, die Beethoven in die nach außen klassisch gestaltete Partitur streute.

Viel Sinn haben sie auch für Beethovens eingebaute Scherze: Wie ein Kichern wirft er den Beginn seines Hauptthemas noch mal ans Ende des ersten Satzes. Anstelle eines langsamen zweiten Satzes stolpert ein Allegretto scherzando immer wieder über den tickenden Rhythmus der Bläser. Das "Menuett" macht sich über ungeschickte Tänzer lustig, die ihre Schritte auch in Holzschuhen ausführen könnten. Im vierten Satz wird aus Übermut Raserei: Melodien brechen abrupt ab oder zerflattern, nach einer kurzen Erholung nehmen alle Anlauf zum Finale. Mit begeisterten "Bravi"-Rufen bedankt sich das Publikum für einen auf alten Instrumenten höchst modern interpretierten Beethoven.

Bei Brahms verbinden sich Leid und Trost

Die Aufführung der Camerata Serena hinterlässt tiefen Eindruck
Schwäbische Zeitung, 14.3.2016
Mit einer tiefgründigen Aufführung von Johannes Brahms’ Deutschem Requiem hat die Camerata Serena am Sonntagabend die Herzen ihrer Zuhörer im Graf-Zeppelin-Haus berührt. Was würde besser in die kommende Passionszeit und zu den derzeitig allgegenwärtigen Problemen passen als der Eingangschoral „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“

Mit großem Ernst hat Chorleiter Nikolaus Henseler zum Requiem hingeführt, indem er Brahms’ „Tragische Ouvertüre“ in d-Moll op. 81, das dunkle Gegenbild zur „Akademischen Festouvertüre“ op. 80, voranstellte. Ein dramatischer Einstieg, der hineinführte in Tod und Tragik und doch aus dunklem Blech wieder helle Streichermusik emporsteigen ließ. Fasziniert genoss man den kultivierten Klang und die bestechende Präzision des Augsburger Orchesters „La Banda“ und erlebte bereits hier das Ineinanderfließen von Dramatik und Wärme, das auch das Requiem prägt. Eine wunderbare Ruhe im Orchester ging dem Chor voraus, der pianissimo einsetzte und dann die Stimme erhob: „Selig sind, die da Leid tragen.“ Beide Seiten des Requiems – das Leid und die Seligkeit, die Trauer und der Trost – sind hier bereits vereint, Stimmen und Musik flossen ineinander, schwebender Klang verhieß Geborgenheit, das „Selig sind“ drang tief ins Bewusstsein.
Christel Voith

Aufblühende Töne

Das Weihnachtsoratorium in der Stiftskirche
Schwäbisches Tagblatt, 13.12.2011
"... "La Banda" ist eins der besten Argumente für den Einsatz historischer Instrumente. So ein Klangbild wünscht man sich für Bach:
Mit Instrumentalfarben, die ebenso zur Verschmelzung wie zur trennscharfen Schichtung fähig sind. Sagenhaft waren die Naturtrompeten mit staunenswerter Instonationssicherheit, gläserner Höhe und gewitzter Verzierungslust..."
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Die Geschichte der Hoffnung

Christuskirche - Beatrice Höhn und die Evangelische Kantorei Neumarkt führten mit "La Banda" das Weihnachtsoratorium von Bach auf.
Neumarkter Tagblatt, 5.12.2011
".... Vorbei die Zeit, da Bach mit Riesenorchestern begleitet wurde.
"La Banda" spielt mit zehn Streichernlsco, zwei Oboen, einem Fagott, zwei Hörnern, drei Trompeten und einem fast tanzenden Pauker - ein Musiker so exzellent wie der andere. Sie tanzten richtig mit ihren Instrumenten, schwangen mit - selbst wenn sie nichts zu spielen hatten...."
Edmund von Pechmann
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La Banda mit dem Leipziger Vokalensemble

Konzert von La Banda mit dem Leipziger Vokalensemble unter Philipp Amelung
in der Thomaskirche am 3.12. und 4.12.2011, Weihnachtsoratorium Kantaten 1-6
Leipziger Volkszeitung, 6.12.2011
"...
Historische Aufführungspraxis und Klangauthentizität:
Welcher Orchesterklang Bach seinerzeit vorschwebte, können wir heute in Ermangelung überlebender Ohrenzeugen nur ahnen. Das historische Instrumentarium des Barockorchesters „La Banda“ liefert den Zuhörern im 21. Jahrhundert einen Anhaltspunkt. Und wenn die Musiker anno dazumal genauso frisch und fein aufgespielt haben wie die Instrumentalisten in der gut gefüllten Thomaskirche, wäre dies ein guter Grund für den riesigen Schaffensreichtum des großen Thomaskantoren:
Die unbändige Spielfreude von „La Banda“, die Virtuosität der Streicher und Bläser, solch makelloser Glanz aus den Trompeten machen eindeutig Lust auf mehr."
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Raselius-Chor singt höchst fesselnden "Messias"

Mittelbayrische Zeitung, 15.12.2009
Der „Messias“, Händels erstes Oratorium nach dem Scheitern als Opernimpresario in London, wurde im April 1742 in Dublin uraufgeführt. Der Komponist bearbeitete es für jede Aufführung nach den örtlichen Gegebenheiten neu. Diese Tradition hält sich bis heute, wo Wiedergaben stets individuell eingekürzt werden. Die Urfassung des „Messias“ weist, wie die Wiedergabe durch den Raselius-Chor der Regensburger Kantorei in der überfüllten St. Oswald-Kirche belegte, noch etliche Affinitäten zu Händels Opernschaffen auf.
Und das ist beim Gehalt dieser in der Vorweihnachtszeit theologisch eigentlich deplatzierten Komposition durchaus kein Fehler. Denn das Werk weist lediglich im ersten Teil (Verheißung und Geburt des Herrn) einige pastorale Wendungen auf, wie sie bei den Schäferidyllen der Opera seria der Zeit durchaus gebräuchlich sind. Der zweite Teil (Passion und Auferstehung Christi) wird mit dem berühmten „Hallelujah“ beschlossen – nicht etwa zur glorreichen Geburt, sondern zur Überwindung des Todes in der Auferstehung Christi. Der dritte Teil fasst die Erfüllung der alttestamentarischen Verheißungen zusammen. Das Finale „Ehre und Ruhm und Stärke gebührt ihm, der auf dem Thron sitzt“, könnte ebenso die Herrscher-Apotheose einer barocken Oper sein.
Roman Emilius setzte im Wissen um die ersten Aufführungen nicht allein auf klangliche Opulenz, sondern beachtete die zahlreichen Piano-Vorschriften, nahm den Beginn des „Hallelujah“ fast zart. „The Sublime, the Grand, and the Tender“ (Erhabenheit, Größe und Zartheit) bescheinigte man der Dubliner Uraufführung. Zwischen diesen Parametern ließ Emilius seinen Chor, seine vorzüglichen Solisten und das großartig aufspielende Orchester „La Banda“ musizieren. Ihm gelang über nahezu zweieinhalb Stunden fesselndes Musizieren auf sehr hohem Niveau.
Gerhard Heldt
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Haydns "Schöpfung" - Nürnberger Kirchenmusiktage

Die «31. Nürnberger Kirchenmusiktage» liefen gleich zu Beginn mit einer profilierten Aufführung von Haydns «Schöpfung» zu großer Form auf.
Nürnberger Nachrichten, 16.10.2007
Es war nicht die Krone, aber doch wohl die Krönung im Anschluss an eine bewegende «Schöpfung»: Rolf Gröschel wurde zum Ritter des päpstlichen Silvester-Ordens ernannt, immerhin die fünfthöchste Auszeichnung, die der Vatikan zu vergeben hat. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick selbst nahm diese außergewöhnliche Ehrung vor und dankte damit dem Dirigenten, Organisten und engagierten Katholiken, der seit dreißig Jahren Motor und Initiator des Kirchenmusik-Festivals ist.

Doch das schönste Geschenk hatte sich Gröschel, der in wenigen Tagen 70 wird, mit einer spannungsgeladenen, sorgfältig zwischen pathetischem Gotteslob und ironisch-feiner Klangmalerei austarierten Aufführung selbst gemacht. Die größere Familie (Palestrina-Chor, Kammerchor Franconia Vocalis, viele Fans) wie auch die engere (die Frau im Chorsopran, Tochter und Bruder unter den Gesangsolisten) hatten sich dafür in der Nürnberger Herz-Jesu-Kirche eingefunden.

Mit 40 Choristen kann man die Leichtigkeit und den Enthusisasmus, mit dem Haydn sein spätes Meisterwerk niederschrieb, sehr gut nachvollziehen. Klar, penibel die verschiedenen Stimmeffekte wie mezza- oder sotto-voce (also mit halbem oder gedämpftem Ton) voll ausgelotet und Koloraturen-agil übernahm die Chor-Union die Partie der himmlischen Heerscharen.

Sowohl das Erzengel-Terzett war mit Corinna Schreiter, Erwin Feith (sehr eindringlich) und Werner Gröschel (markant und wuchtig) trotz kleinerer Einsetzfehler hervorragend besetzt genauso wie die Paradies-Bewohner Adam und Eva. Die beiden Opernchor-Mitglieder Stephanie Gröschel-Unterbäumer und Dariusz Siedlik übernahmen die heute nicht ganz einfache Aufgabe, dem völlig unemanziperten Menschenbild (Eva: «Ich will Dir gehorchen») Glaubwürdigkeit zu verleihen. Erstaunlicherweise sind Haydns Naturschilderungen bewegender als sein Liebesduett.

Eine reine Sensation ist das auf historischem Instrumentarium aufspielende Projekt-Orchester «La Banda». So kernig, so intonatorisch genau, so präsent auf Naturhörnern, so elegant wie in der ganzen Bläsergruppe phrasiert wurde, von so ebenem Streicherklang hört man dies selbst in höher dotierten Klassik-Ligen selten. Eine Aufführung aus einem Guss, ohne Längen und Langeweile: Respekt und herzlichen Glückwunsch!
j.v.
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Ein Musik-Ereignis der Extraklasse

camerata vocale brilliert mit Monteverdis "Marienvesper"
Günzburger Zeitung (GZ), 30.05.2005
Eine Leistungsschau musikalischer Kompe­tenz, so in etwa ließe sich umschreiben, was das Langzeitfestival „Musikalischer Früh­ling im schwäbischen Barockwinkel" in die regionale Musikkultur einbringt, was die verschiedenen Chor- und Instrumentalgrup­pierungen durch gegenseitiges Animieren, Inspirieren und (nicht zuletzt) Konkurrieren auf einen Leistungsstand hebt, der seines­gleichen sucht. Letztens Beispiel: die camerata vocale Günzburg, die mit Claudio Monteverdis „Marienvesper" dem als „Perle des Barock" bezeichneten Veranstaltungsort, der Günzburger Liebfrauenkirche also, noch eine Perle der musikalischen Klang­sprache hinzufügte.
Jedoch ist die Veranstaltungsreihe noch nicht beendet und deshalb mit Bestimmtheit anzunehmen, dass die beiden letzten dieser hochkarätigen Konzerte ihre Art Perlen gleichfalls noch einzubringen suchen. Nun also ist - soweit bekannt, war sie hier noch nie zu hören - die regionale „Uraufführung" von Monteverdis Marienvesper vollzogen. Die Verdienste des als Musikerneuerers geltenden ita­lienischen Komponisten (1567 - 1643) sieht die Musikwelt weni­ger in seinem kirchenmusikalischen Schaffen begründet, vielmehr gilt er als maßgeblicher Schöpfer und eigentlicher Weg­bereiter der italienischen Oper. Ihr gewaltiger Aufschwung an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zehrte noch von dem, was Monteverdi einst in Bewegung ge­bracht hat. Natürlich aber lässt sich die Bunt­heit weltlicher Musik auch in seiner geistli­chen erkennen. Natürlich auch in der Marienvesper, in ihren Motetten, Psalmen und vor allem der eingeflochtenen Sentenzen aus dem „Hohen Lied". Man stelle sich vor: Liebeslyrik inmitten weihevoller Kirchenmusik, Verse von verzeh render Sehnsucht und leiblichem Verlangen durchbrechen die archaischen Regeln liturgischer Strenge, die geheiligte Tradition gelten­der Kompositionsregeln.

Schmerz und Hingabe

Zu damaliger Zeit eine radikale Neuerung von geradezu revolutionärer Tragweite. Und doch ist es gerade diese Mischung aus Tradi­tionellem und Modernem die den Zuhörer in ihren Bann schlägt, die ihn auf eine spannen­de Entdeckungsreise in schwerelose, von un­endlichem Schmerz und lustvoller Hingabe durchflutete KIangwelten entführt. Vor allem dann, wenn man die Fähigkeit hat sie so zu kreieren, wie Jürgen Rettenmaier das kann. Das ist die eine Leidenschaft des Chorlei­ters: den Raum akustisch dermaßen zu durch­leuchten, ihn durch ständige Positionsverän­derung von Vokalisten und Instrumentalisten klanglich so zu integrieren, dass aus Raum und Klang eine gerade­zu magische Einheit wird. Wenn dann auch noch die Abendsonne die üppige Pracht des Altarba­rocks ins rechte Licht zu rücken vermag, dann ist dies absolut das i-Tüpfelchen am vollendeten Ge­samteindruck. Dann wirkt der männlich markante Koloraturzauber im „Duo Seraphim" der Tenöre (Hermann Oswald, Hubert Nettinger, Franz Schweizer), zusam­men mit Bassbariton (Thomas Hamberger), noch eine Spur entfesselter, dann strahlen die Soprane (Gerlinde Sämann, Sabine Lutzenberger, Annemarie Bader) noch zarter, leuch­tender, silberner und wächst die chorische Präsenz, die lupenreine Intonationssicherheit, die vokal geschmeidige Eleganz der camerata noch um einiges über sich hinaus. In der Vielfalt der Gefühle lässt Rettenmaier kein emotionales, kein gestalterisches, kein räumliches aus. Detailverliebt, geradezu peni­bel, mischt er die Klangfarben, formuliert Zu­sammenhänge, platziert Akzente. Denn es gibt da auch noch die andere Seite seiner Lei­denschaft, und die heißt Authentizität. Und dafür steht der Name „La Banda". Ein Orchester, das mit der camerata nicht zum ersten Mal in Erscheinung tritt, gibt es doch nur wenige die sich mit historischen In­strumenten auf die Spielweise von Renaissance und Barock spezialisiert haben. Neben gebräuchlichen Instrumenten wie Violine oder Posaune, sind es Chitarrone, Dulzian und insbesondere die Zinken (leicht geboge­nes Holzblasinstrument) die mit artistisch fu­riosen - an Trompetenfeuerwerk erinnernde - Passagen das orchestrale Kolorit beherrschen. Was an der Klanggebung des Gesamtorches­ters bemerkenswert ist, ist sein ungemein war­mer, sonorer, dezent unaufdringlicher Ton und das Vermeiden jeglicher tremolierender Farben. Die Substanz aller zu musikalischem Gebo­te stehender Möglichkeiten kommt im abschließenden Magnificat zum Tragen. Zwei Violinen verlieren sich in einer göttlich schö­nen Melodie, in lichter, bravouröser Leichtig­keit gesellen sich die beiden Zinkenbläser dazu, behutsam, mit wunderbar verdunkelter Klangaura bringen sich, in polyphonem Glanz, mit Koloratur- und Echoeffekt, die Gesangssolisten ein, mit schwärmerischer Inner­lichkeit setzt der Chor sein vokales Profil da­rüber und es endet in einem herzbewegend prachtvollen Schluss-Amen. Langanhaltender Beifall, Blumen, Bravos, standing ovations. Ein Musikereignis, nahe an der Grenze zur Sternstunde.
Helmut Kircher
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In der Mitte

Der Münchner Motetten Chor und Bachs Matthäus-Passion
Süddeutsche Zeitung, 23.03.2005
Hayko Siemens, seit 1997 Leiter des Münchner Motetten-Chors, setzt nicht auf Effekte oder schroffe Akzentuierungen der Szene. Er liebt die erzählende Hinwendung. Nun ist Bachs Matthäus­Passion, die der Motetten-Chor in den Herkulessaal mitbrachte, ohnehin Bachs innigere, mehr individuell mitfühlende Vertonung der Leidensgeschichte Christi. Andächtige Beschauung steht im Mittelpunkt bis hin zum besinnlichen Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder". Dennoch hatte man den Eindruck, dass Siemens mitunter zu sehr in der interpretatorischen Mitte verharrte. Es wurde eine ruhige, still betrachtende und sehr bedächtig genommene Matthäus-Passion mit wenig kräuselnden Aufwallungen und ansprechender chorischer Leistung.

Ein Glücksfall kam zu Hilfe: Er hieß Thomas Cooley, der den Part des Evangelisten übernommen hatte. Und der zeigte mit außergewöhnlich wandlungsfähigem und klarem Ton, was musikalisches Erzählen in emphatischem Sinne bedeuten kann. Er entlockte den Bachschen Melodiewendungen, die eben keine standardisierten Rezitativfloskeln sind, eine Unzahl an Affektbeimischungen - sei es ironischer, zynisch spottender, furchtsamer oder trauriger Natur. So plastisch hat man das Ende Jesu nach Matthäus selten vorgetragen gehört. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass der Spannungsbogen über mehr als drei Stunden aufrechterhalten blieb. Die anderen Solisten hatten diesem packenden Vortrag allenfalls eine solide Leistung entgegenzusetzen, einzig der ganz kurzfristig eingesprungene Detlev Roth (Christus) wusste durch tragenden, ausdrucksstarken Ton ganz zu überzeugen.

Und dann war da noch das Orchester La Banda auf historischen Instrumenten, das wieder einmal seinen guten Ruf bestätigte. Die tiefe Stimmung und der Farbreichtum vor allem der Bläser warfen ein weiches und dennoch klares Licht mit großer Trennschärfe: Aufregende Klangerfahrungen stellten sich ein. Das unterstützte nachhaltig den verinnerlicht erzählenden Gestus dieser Interpretation.
Reinhard Schulz
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Das Orchester im Zentrum

Franz Hauk dirigierte Haydns „Schöpfung"
Donaukurier Ingolstadt, 23.09.2002
Haydns Oratorium „Die Schöpfung" beginnt mit einem ästhetischen Paradoxon: Die orchestrale Gestaltung des Chaos widerspricht dem Wiener klassischen Satz in jeder Hinsicht und scheint eigentlich unmöglich. Doch Haydn löst das Problem ebenso genial, wie er im übrigen Orchestersatz teilweise schon weit ins 19. Jahrhundert blickt. So fortschrittlich wie sich Haydns Musik gibt, ist auch das von Gottfried van Swieten verfasste Textbuch, das nicht so sehr eine naiv-idyllisierende Darstellung, sondern eine stark aufklärerisch geprägte Deutung der Schöpfungsgeschichte bietet. Diese Ambivalenz aus griffiger Popularität und raffiniertem Kunstanspruch hat Haydns „Schöpfung“ von Anfang an höchste Beliebtheit gesichert und eine reiche Aufführungstradition beschert, die in den letzten Jahren um die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis bereichert wurde. Auch die von Franz Hauk geleitete „Schöpfung" in der Maria-de-Victoria-Kirche berief sich auf diese möglichst .authentische Wiedergaben und wurde dank der großartigen Leistungen der Mitwirkenden und einer überlegen disponierten Interpretationshaltung zum fesselnden Triumph einer sinnlich prägnanten wie intellektuell ausgefeilten Vergegenwärtigung.

Das auf alten Instrumenten spielende Barockorchester ,;La Banda" sorgte mit einem. exakt ausgewogenen Streicher-Bläser-Verhältnis für einen ungemein transparenten, vom Farbenreichtum des Instrumentariums getragenen und subtil ausgeleuchteten Orchesterklang, der die vielen lautmalerischen, naturalistischen Momente in den Rezitativen (bei denen das Orchester immer zuerst die Schilderung liefert; bevor der Text die „Erklärung" nachschiebt!). plastisch und eindringlich ausmalte. Die zentrale Rolle des Orchesters betonte Franz Hauk zusätzlich, indem er das Solistentrio hinter dem Orchester postierte und nicht im Vordergrund exponierte.
Wahrer Glücksfall
Die drei Solisten fügten sich aber nicht allein optisch vorzüglich in Hauks homogen und ganzheitlich ausgerichtetes Aufführungskonzept, sondern Maria Jette (Sopran), Hubert Nettinger (Tenor) und Thomas Gropper (Bass) erwiesen sich als wahrer Glücksfall für diese „Schöpfung". Allen voran die amerikanische Sopranistin Maria Jette glänzte mit ihrer schlanken, strahlkräftigen und höhensicheren Sopranstimme, die mit beweglich-geschmeidigen Koloraturen und feinsten dynamischen Nuancen faszinierte, sich ohne Vibrato und opernhafte Gestik dem Ideal der historisierenden Aufführungspraktiken näherte. Der klar gefasste, angenehm timbrierte und verhalten abgetönte Tenor Hubert Nettingers und die bravourös, gleichermaßen empfindsam wie eindringlich gestalteten Basspartien von Thomas Gropper machten das Solistenglück in selten zu hörender Geschlossenheit perfekt.
So konnten die packenden und intensiven Naturschilderungen der ersten beiden Teile wie die Lobpreisungen Gottes durch den Menschen im Schlussteil ihre ganzen üppigen vokalen wie instrumentalen Reize entfalten. In die sorgfältig austarierte und detailgenaue Interpretation Franz Hauks, die mit unwiderstehlichem Elan und Schwung die Klangeffekte inszenierte, ohne die lyrische Sensibilität zu vernachlässigen, passte sich das Vocalensemble Ingolstadt fabelhaft ein. Hauks stimmgewaltiger, reaktionsschneller und entschlossen agierender Chor bewältigte seine vielfältigen Aufgaben glänzend, so dass eine Aufführung gelang, die vom Publikum in der Maria-de-Victoria-Kirche zu Recht mit stürmischen Ovationen bedacht wurde.
Heinz Zettel
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Klangbild des Orchesters als Faszination

Auf Musik des 18. Jahrhunderts spezialisierte Barocktrompeten krönen Sätze
Schongauer Nachrichten, 24.07.2002

Johann Sebastian Bachs „Hohe Messe in h-moll" führte der Kammerchor der Stadt Schongau zusammen mit dem Ensemble „La Banda" unter der Leitung von Franz Brannekemper am vergangenen Sonntagabend auf in der Stiftskirche Rottenbuch. Eine besondere Faszination übte das Klangbild des Orchesters aus, das auf Musik des 18. Jahrhunderts spezialisiert ist und dessen Mitglieder auf alten Instrumenten musizieren. Ungewohnt rund und wohlig war der Klang, durch die besondere Mischfähigkeit der historischen Holzblasinstrumente gewann die Interpretation Wärme, Grundtönigkeit und Volumen. Auch die Trompeten traten nicht wie sonst so häufig mit grellem, blendend-strahlendem Geschmetter hervor, sondern krönten die feierlichen Sätze vom Lob und Preis des göttlichen Königtums mit dem den eigentlichen „Barocktrompeten“ eigenen noblen und milden, gleichsam patinierten Glanz. Dem Höchstmaß an technischer Präzision, mit dem das Or­chester musizierte, entsprach die Leistung des Schongauer Kammerchores, der seinen anspruchsvollen Part mit beeindruckend starker Kondition bewältigte, ein Kraftakt. Dem wenig plakativen, mehr introvertiert-statischen Charakter fügten sich auch die Solisten Julia Bauer und Ute Zimmer, Sopran, Angelika Polland, Alt, Klaus Donaubauer, Tenor und Joachim Herrmann, Bass, ein. Mit Ausnahme des fülligen, fokussiert klingenden Altes von Angelika Polland – die das Agnus Dei zu einem atemberaubenden Erlebnis von verinnerlichter Vergebungsbitte machte – waren es schlanke, kantabel geführte, doch durchaus tragfähige Stimmen. Eine Aufführung, in der der Versuchung widerstanden wurde, Bachs „Summa“ seines Könnens zum spektakulären Glanzpunkt zu verzerren, eine Interpretation, die nicht die Sinne reizt, sondern das Herz der Zuhörer wärmt.
bk
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